Volker Abel, Peter Reiss, Rudolf Wille

Mutabor II. Ein computergesteuertes Musikinstrument zum Experimentieren mit Stimmungslogiken und Mikrotönen

MUTABOR

Die Bemühungen um mikrotonale Strukturen haben mit dem Einzug des Computers in den Bereich der Musik neuen Aufschwung bekommen. So ist der Computer schon auf vielfältige Weise eingesetzt worden, um mikrotonale Systeme zu realisieren und musikalisch erlebbar zu machen. Anfang der achtziger Jahre ist im Rahmen des Forschungsvorhabens "Mathematische Musiktheorie" an der TH Darmstadt das computergesteuerte Musikinstrument "MUTABOR" (= MUTierende Automatisch Betriebene ORgel) zur Untersuchung der mikrotonalen Abstufungen in der tonalen Musik entwickelt worden. Grundidee des Tasteninstruments MUTABOR ist, daß die Töne mit ihrer Tonhöhe jeweils erst nach Tastenanschlag berechnet werden und trotzdem ohne hörbare Verzögerung erklingen.

MUTABOR II

Die vielfachen Reaktionen auf MUTABOR gaben den Anstoß, im August 1987 das Projekt "MUTABOR II" zu gründen. Zunächst bestand nur das Ziel, MUTABOR mit handelsüblichen Komponenten (MIDI-Keyboard, Synthesizer, Computer, Verstärker, Lautsprecher) zu realisieren und über die entworfene Programmiersprache möglichst variabel spielbar zu machen. Aus diesem zunächst nur begrenzt angelegten Projekt entstand im Laufe der Zeit ein völlig neues und umfassendes Konzept eines Instruments zum Experimentieren mit Stimmungslogiken und Mikrotönen. Dieses Konzept versucht möglichst weitgehend die große Vielfalt mikrotonaler Kompositionstechniken zu berücksichtigen. ...

Die Tatsache, daß bis heute noch keine standardisierte Notation für Mikrotöne von der Mehrheit der Komponisten und Musikwissenschaftler akzeptiert wird,, macht deutlich, wie heterogen heute die mikrotonale Landschaft ist. Bei der Planungvon MUTABOR II ist versucht worden, einen allgemeinen Ansatz zu entwickeln, mit dem sich die unterschiedlichsten mikrotonalen Strukturen verwirklichen lassen. ...

Zentral für den gewählten Ansatz zur Repräsentation statischer Strukturen sind zwei Grundbegriffe: Die Fundamentaltonleiter und die Stimmungslogik. Die Fundamentaltonleiter dient der Repräsentation statischer Strukturen, während die Stimmungslogik das Mutationsverhalten von Stimmungen regelt.

Soundbeispiele

HyperKult III 'Sound' Page