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Ästhetische Strategien
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Bleep Labs : Thingamagoop

Produkt des Monats Januar 2010

von Nele Uhl

Pünktlich nach Weihnachten gibt es hier ein Spielzeug, mit dem man sich zu Hause einmuckeln und Lärm machen kann. Das Thingamagoop. Es ist ein einfacher, analoger Synthesizer in Form eines kleinen Roboters, dessen unkonventionelle Bedienung sich hervorragend zum Erzeugen von schrägen Klängen und Geräuschen eignet. Es ist der vielleicht erste Synthesizer mit Kindchenschema zum gern haben.

Ermöglicht wird das andauernde Klangtheater durch einen 9-Volt-Block, der sich im Inneren des Thingamagoop, in einem mit Vinyl beschichteten Aluminiumgehäuse, befindet. Über ein seitlich hervorstehendes Poti kann man den Synthesizer einschalten und gleichzeitig die Lautstärke für den im Boden eingelassenen Lautsprecher oder den 6,3 mm Monoklinkenausgang regulieren. Das Thingamagoop besitzt nicht nur eine Zahnlücke, sondern darüber hinaus noch einen VCO (Sägezahn) und einen LFO (Rechteck).

Die Bedienung des Thingamagoop beginnt jenseits der bekannten schwarzweißen Tasten: Er wird über seine Nase, die aus einer Photozelle besteht, getriggert. Je nach Helligkeit wird das Tuning des Oszillators bestimmt, wobei natürlich jede Art von Lichtquelle als Signal dienen kann. Auf dem Kopf des Thingamagoop ist eine elastische Lampe angebracht, die im Rhythmus des LFOs flackert und die es dem kleinen Roboter ermöglicht, sich auch selbst zu steuern. Am Bauch des Thingamagoops findet man ein Poti, mit dem man die Geschwindigkeit des LFO bestimmen kann. Darüber hinaus kann man mit dem linken Kippschalter festlegen, ob der LFO den VCO oder nur das Licht der Lampe moduliert. Die Fußlage des VCOs wird mit dem rechten Kippschalter verändert.

Der Klang, den das Thingamagoop erzeugt, ist ein ständiger Wechsel zwischen Fiepen, Piepsen, Kratzen, Knacken, Brummen und Rauschen. Es handelt sich um einen sehr rohen Analogsound, der weder hochwertig noch besondern ‚satt' klingt. Besonders wenn der Sound über den internen Lautsprecher erklingt, stellt sich das Resultat mitunter als fies beißendes, mittenreiches Klangbild dar, das auch ganz schön schmerzen kann. Wird er aber über ein Klinkenkabel ausgegeben, wird der Sound ausgewogener und das Frequenzspektrum ist wesentlich breiter.

Natürlich kann man sich nun fragen, was man eigentlich mit so einem Thingamagoop soll, das nicht nur auf den ersten Blick wie ein Spielzeug wirkt und das man scheinbar nicht musikalisch einsetzen kann. Wer gerne Melodien spielen möchte, wird mit dem Thingamagoop nicht weiterkommen und zu recht unzufrieden sein.

Beim ‚Rumschrauben' an dem Thingamagoop stellt man schnell fest, dass durch Helligkeit hohe und Dunkelheit tiefe Frequenzen angesprochen werden. Richtet man nun die Lampe auf die Photozelle und schraubt unbekümmert an der LFO-Geschwindigkeit, erklingen je nach Einstellung der Fußlage und Modulationsziele wirre Sounds. Wiederkehrende Klangmuster, die später oft hervorragend als schräge Samples genutzt werden können, erzeugt man durch rhythmische Lichtbewegungen, entweder mit der Lampe des Thingamagoop oder mit jeder anderen denkbaren Lichtquelle. Eine Einstellung gibt es sogar, mit der ein fast harmonischer, Arpeggiator ähnlicher Sound erzeugt werden kann (dank der Rechteckwellenform des LFOs). Um diese zu erreichen, muss der LFO-Regler äußerst feinfühlig ausgerichtet werden, da es tatsächlich nur eine Position gibt, die diesen Sound erzeugt. Dabei reicht nur ein Hauch gegen den Regler, um den Klang wieder zu verstellten. Natürlich ist das klangliche Potential bei aller Begeisterung sehr eingeschränkt, aber konzeptionell ist das Thingamagoop mal etwas ganz anderes. Egal ob als ernsthaftes Musikinstrument, Klangkunstinstallation oder Studio-Dekoration, das Thingamagoop macht immer eine gute Figur und bereitet jede Menge Freude.

Videobeispiel

Quelle: http://audio.uni-lueneburg.de/pdm/pdm-1001.php, 22.11.2017