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Ästhetische Strategien
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Matt Moldover: Circuit Board Instrument

Produkt des Monats November 2009

von Andreas Otto

Die Verlegenheit der Musikindustrie ist offensichtlich: Was soll man eigentlich mit der CD machen, diesem seit seiner Volljährigkeit im Grunde für tot erklärtem Medium, das so widersprüchliche Aspekte vereint: Es besteht aus immateriellem Code, der Musik darstellt, und es ist dazu eine Scheibe zum Anfassen, die aber nach dem Einlesen in den Rechner meist in die Ecke fliegt. Spätestens seit mp3-Verkäufe massentauglich geworden sind, lange nachdem es die Onlinebörsen-Tauschkultur vorgemacht hat, ist Musik als physischer Tonträger noch am besten zu vermarkten, wenn sie ganz im Analogen bleibt: Vinyl ist nicht totzukriegen.

Seis drum, es gibt sie immer noch, die CD, und hier ist jemand, der sie in einer wunderbaren selbstgelöteten Verpackung zu neuem Leben erweckt: Matt Moldover ist ein amerikanischer Musiker und Medienkünstler, der sein aktuelles Album auf CD rausbringt, die in einer Hülle steckt, die viel kann: sie ist zum einen Abspielgerät und kommt mit Batterie und Kopfhörerausgang. Außerdem bietet sie verschiedene Sensoren, über die zusätzliche Sounds von der im CD-Case eingebauten Platine abgerufen werden können, so dass die ohnehin schon runde Downbeat-Produktion durch selbstgespielte Sounds ergänzt werden kann. Diese CD klingt also nie zweimal gleich.

Für solche, die gerne über Medialität von Musik reflektieren, ist das ein Schatz. Hier entsteht eine sehr unterhaltsame Hybridform von Tonträger und Musikinstrument, ganz in Geist und Tradition des Circuit Bending. Und nicht nur das: im Demo klingt das alles auch noch super. Daumen hoch!

Demo:

www.youtube.com/watch? v=T8UzSVFUIc0&feature=player_ embedded

moldover.com/

Quelle: http://audio.uni-lueneburg.de/pdm/pdm-0911.php, 22.10.2017