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Ästhetische Strategien
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Snarling Dogs Mold Spore Wah

Produkt des Monats Dezember 2005

von Hanno Schlüter

Das Teil hat Kultstatus. Es ist das meistverwendete Gitarreneffektgerät der Welt, und für jeden ernstzunehmenden Gitarristen fester Bestandteil seines Setups. Idole wie Jimmy Hendrix, John Lee Hooker oder Zakk Wylde haben dieses WahWah-Pedal mit dem unverwechselbaren Sound in den Olymp des Rock'n'Roll aufsteigen lassen. Dem einen oder anderen dämmert es vielleicht schon, um welches Gerät es sich handelt: das Jim Dunlop Crybaby WahWah. Die Legende. Seine Vorzüge sind unbestritten, und doch bleibt ihm eines zunächst verwehrt: der Titel „Produkt des Monats“.

Das Pedal, welches dem „Ur-Wah“ auf meiner Beliebtheitsskala den Rang abgelaufen hat, trägt den recht sperrigen Namen „Snarling Dogs Mold Spore Wah“. Dieser knurrende Hund ist mir im Oktober zugelaufen und hat es sich seitdem auf meinem Effektbrett gemütlich gemacht. Was sofort auffällt, ist die eigenwillige Form des Geräts, dessen Expression Pedal einem nackten Fuß nachempfunden ist. Auf diesem prangt das eindrucksvolle Firmenlogo von Charlie Stringer, sein Alter Ego, der durchgeknallte Schäferhund „Something-Humping“. Visueller Eindruck: Volltreffer!

Also schnell angeschlossen und losgerockt. Die vielfältigen Einstellungsmöglichkeiten der Wah-Sektion lasse ich erstmal großzügig unbeachtet. Ist ja auch ganz spannend zu hören, wie das Teil direkt aus der Verpackung klingt. Fehler! Zu laut! Ein Blick auf das linke Seitenpanel verrät, dass das Mold Spore Wah einen eigenen Vorverstärker zur Anhebung der Effektlautstärke besitzt. Schnell stellt sich heraus, dass es auch ohne geht, ist wahrscheinlich für die berühmten Gitarristen mit dem großen Ego gedacht…

Direkt neben dem Poti für den Vorverstärker lassen sich die drei Klangcharakteristika des WahWah-Effekts mit einem Kippschalter anwählen. Ich wähle die unterste, „White Room“, und betätige den Fußschalter. Das linke Auge des Schäferhundes leuchtet auf und meine Fußbewegungen steuern einen warmen, bluesigen Wah-Effekt, der in den Spitzen etwa die oberen Mitten erreicht. Allererste Sahne, dieser Sound!

Ich drehe den Kippschalter eine Position nach oben auf „Voodoo“ und bin überrascht. Das ist doch genau der Crybaby-Sound! Mittig, knackig, differenziert und sehr gut für rhythmische Riffs geeignet. Kippschalter ganz nach oben auf „Shaft“. Willkommen in den Seventies! Diese Einstellung liefert quietschende Höhen bis zum Abwinken und ich fühle mich sofort in die Titelmusik der amerikanischen Polizeifernsehserie versetzt, die diesem Sound den Namen gibt. Im Zusammenspiel mit der Band entpuppt sich „Voodoo“ als die geeignetste Einstellung, da sie die höchste Frequenzbandbreite abdeckt.

Die Wah-Sektion des Mold Spore eröffnet dem Gitarristen eine Fülle an Möglichkeiten, seinen eigenen Sound zu formen. Und das ist noch nicht alles! Vor dem großen Fußschalter befindet sich ein Push on/Push off-Schalter, mit dem sich ein Ringmodulator zuschalten lässt, dessen Einstellungen sich auf dem rechten Seitenpanel ändern lassen. Ein Tritt auf diesen Schalter lässt auch das rechte Auge des Schäferhundes aufleuchten.

Und jetzt wird's wirklich abgefahren! Je nach Einstellung der Ringmodulator-Sektion besteht die Möglichkeit, die zu bearbeitende Frequenz des Trägersignals fest einzustellen oder sie durch das Expression Pedal zu variieren. Erste Versuche mit dem Ringmodulator tragen mir das verständnislose Kopfschütteln und mitleidige Blicke meiner Bandkollegen ein. Was hat er da bloß wieder angeschleppt?! Keine Frage, so einfach ist dieser Effekt nicht zu beherrschen, mit der richtigen Einstellung und ein wenig Routine klappt es aber ganz gut.

Mit dem „Psychoscumation“-Poti lässt sich der Anteil der Modulation in Verhältnis zum „trockenen“ Signal regeln. Hier gehe ich zunächst auf einen sehr geringen Wert. Den Frequenzbereich der Modulation stelle ich fest in Richtung Mitte ein. Dann regle ich die Lautstärke der Modulation mit Hilfe des „Straight Jacket Volume“-Reglers auf etwa ein Viertel und bekomme erste Resultate. Der Effekt ist einem mittig stehenden Crybaby Wah nicht unähnlich. Zusätzlich hat der Klang aber etwas roboterhaftes, was mich intuitiv an eine Talkbox denken lässt. Ich regle die Lautstärke der Modulation noch etwas höher, um den Effekt in den Vordergrund zu bringen und beginne, an der Psychoscumation, also der Modulationsstärke, herumzuspielen. Je höher ich diesen Poti drehe, desto weniger ist vom Trägersignal hörbar. Eigentlich ganz einfach und doch wieder nicht. Die Modulation verhält sich nämlich durchaus eigenwillig, sodass ein höherer Ton auf der Gitarre nicht unbedingt auch einen höheren Ton im modulierten Resultat hervorruft. Ich begnüge mich damit, den Modulationsanteil bei circa einem Drittel zu lassen…

Die eigentliche Herausforderung, und das, was an diesem Gerät wirklich Spaß macht, liegt sowieso in etwas anderem. Ich lege den Frequenzregler für die Modulation auf das Expression Pedal und lasse für zehn Minuten Raumschiffe abheben und wieder landen. Das klingt wirklich so! Je nach Stellung des Pedals lassen sich mit Veränderung der Modulationsfrequenz unterschiedlichste Effekte erzielen. Eine Bearbeitung der tiefen Mitten ruft glockige Töne hervor, fast wie in alten Sci-Fi-Filmen. Flash Gordon hätte es geliebt.

Hervorragend geeignet ist dieser Effekt auch für Gitarristen, die noch nie ein unfallfreies Solo spielen konnten. Pedal voll durchgetreten und die Modulation der Höhen lässt den gesamten Klang in ein fiependes Feedback abschweifen, das man sonst nur bei den großen Gitarrenhelden zu hören bekommt. Eddie van WER?

Bei aller Euphorie lässt sich aber nicht verleugnen, dass es sich bei der Ringmodulation um einen mitunter nicht besonders songdienlichen Effekt handelt, der fast ausschließlich für kurze Solo-Spots oder geschickte Akzentuierung genutzt werden sollte. Mit anderen Worten: Weniger ist mehr.

Die Einsatzmöglichkeiten des Snarling Dogs Mold Spore Wah sind nahezu unbegrenzt, und ich kann mir nicht vorstellen, dass es auch nur einen Gitarristen gibt, der von sich behaupten könnte, alle damit möglichen Klänge schon erzeugt zu haben. Die Wah-Sektion klingt unschlagbar gut und der Ringmodulator setzt dem Gerät die Krone der Vielseitigkeit auf.

Crybaby, cry!

Quelle: http://audio.uni-lueneburg.de/pdm/pdm-0512.php, 22.11.2017