EduSynth

Produkt des Monats Februar 2005

von Florian Grote

Es gibt viele Wege, mit heutigen Computern Klang zu synthetisieren. Interessanterweise hat sich jedoch nach wie vor ein Paradigma gehalten, dessen Ursprung bis in die 1960er Jahre des letzten Jahrtausends zurückreicht: Die kompakte subtraktive Klangsynthese.

Ausgehend von einer Kombination aus Schwingungsgeneratoren und Festfrequenzfiltern der Radiomesstechnik wurden in den 1960ern große Synthesizer-Modularsysteme mit spezielleren, für musikalische Zwecke geeigneteren Komponenten gebaut, die bequem mit Steuerspannung kontrolliert werden konnten. Diese erlaubten (und erlauben!) zwar komplexe und interessante Klänge, waren jedoch sperrig und nicht sehr selbsterklärend in der Bedienung. Synthesizer wurden erst rockmusikertauglich, als Bob Moog das flexible Konzept seiner Modularsysteme auf ein kleines, handliches Gerät mit standardisierter Verschaltung der Module herunterbrach: Der Minimoog war geboren. Das Konzept dieses Instruments prägt bis heute die überwiegende Vielzahl der am Markt befindlichen Soft- oder Hardwaresynthesizer und somit auch den Sound vieler musikalischer Stilrichtungen.

Das bestechende Konzept des Minimoog ist aber trotz seiner Kompaktheit noch nicht selbsterschließend für jemanden, der noch nie mit Synthesizern in Berührung gekommen ist. Dieses Manko ist leider auch heute noch das Haupthindernis für den Einsatz von Synthesizern im Schulmusikunterricht. Der gesamte Bereich der elektronischen Musikinstrumente wird hier meistens ausgespart, was der musikgeschichtlichen Bedeutung dieser Geräte natürlich überhaupt nicht gerecht wird. Um Abhilfe zu schaffen, entwickelte ich gemeinsam mit Native Instruments für den Lugert Verlag den EduSynth, einen Software-Synthesizer mit weitreichenden Möglichkeiten zur Erzeugung elektronischer Klänge. Um Anfängern die Scheu vor den notwendigerweise vielen Reglern zu nehmen, wurde versucht, den Signalfluss mit Pfeilen deutlich zu machen. Darüber hinaus habe ich für alle Bedienelemente kurze Infotexte verfasst, die angezeigt werden, sobald die Maus auf einem Regler ruht. Zusätzlich können über kleine Fragezeichen-Taster ausführlichere Texte zu den übergeordneten Funktionseinheiten des EduSynth aufgerufen werden.

Klanglich bietet der EduSynth mit drei Oszillatoren, von denen einer als Niederfrequenzoszillator dienen kann, einem Rauschgenerator sowie Hüllkurven für Filter und Verstärker alle Möglichkeiten des legendären Minimoog. Seine Fähigkeiten gehen aber noch darüber hinaus: Die Filterbetriebsarten Hoch- und Bandpass schaffen wesentlich mehr Modulationsmöglichkeiten und der eingebaute 8-Step Sequenzer kann flexible Melodie- oder Klangpattern wiedergeben.

Eher in den experimentellen Bereich gehört die Zufallsbetriebsart des dritten Oszillators, die insbesondere in Kombination mit dem Sequenzer eine Klangreihung ohne Wiederholungen möglich macht. Oszillator 3 kann auch die anderen beiden Oszillatoren mit hoher Frequenz modulieren, wodurch einfache FM-Klänge entstehen.

Alle Synthesemöglichkeiten des EduSynth werden anhand der mitgelieferten Werksklänge demonstriert. Eine zweite Bank von Werksklängen behandelt die grundlegenden Konzepte der subtraktiven Klangsynthese und eignet sich somit besonders für Musikunterricht oder Seminare. Eigene Klangkreationen können auch als Bänke abgespeichert und importiert werden.

Die Erfahrung in der Vermittlung von Klangsynthesekonzepten hat gezeigt, dass auch auf eine adäquate Visualisierung der technischen Vorgänge Wert gelegt werden sollte. Dies ist beim EduSynth mit den Oszilloskop- und Analyzer-Fenstern gegeben. Hier können insbesondere Oberton- und Filterbewegungen nachvollzogen werden.

EduSynth ist Freeware und liegt auf Deutsch, Englisch und Französisch vor. Die Software, Tutorials und weitere Artikel erscheinen beim Lugert Verlag.

Hier geht es zum Verlag: www.lugert-verlag.de

Am 2. März wird der EduSynth auf der Bildungsmesse didacta 2005 in Stuttgart präsentiert: www.vds-bildungsmedien.de

 

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pdm/pdm-0502 - Illustration
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