Jet Set Radio Future

Produkt des Monats Juli 2002

von Heiko H. Gogolin

Jet Set Radio Future ist verdammt heißer Scheiß, keine Frage. Der überall gefeierte Vorgänger auf der Dreamcast war schon brilliant, aber Segas Programmier-Crew Smilebit legt noch ein ganzes Level drauf. Ein Scannen der E3-Neuheiten, die im Herbst bis Winter unsere Fernsehschirme in Angriff nehmen, zeigt, das der von Jet Set Radio erstmals gekickte Cel-Shading-Style überall regiert. Von Ego Shooter über Autorennen bis hin zum neuen Celda revitalisiert die frisch-cartoonig-konturierte Ästhetik die Optik ganzer Genres.

Im Sequel zu einem der besten Games 2000 spielen wir einen Rollerblade Tagger der Tokyoer Gang The GGs, cruisen hurtig durch die Straßen und übersprühen Graffitis anderer Gangs. Dabei nervt die private Polizeieinheit der Rokkaku-Gruppe, finstere Gesellen, die Graffiti immer noch nicht für Kunst halten. Im fortgeschrittenen Spielverlauf fährt die Security-Truppe allerhand Kriegsmaschinerie wie Panzer, Hubschrauber oder sogar Jets auf, um uns non-verbal am Verschönen der Großstadt zu hindern. Gegenüber dem ersten Teil wurde das Handling vom Sprühen sehr vereinfacht. Ein einfacher Druck auf die linke Schultertaste genügt - also keine verquerten Stickverdrehungen mehr, wäre beim Hochgeschwindigkeitssprühen auf vertrackten Plattform-Konstruktionen auch anders schwer möglich. Wer mit der vorhandenen Motiv-Auswahl nicht zufrieden ist, sammelt Graffiti-Souls oder zeichnet im Editor gleich eigene Tags. Die meist riesigen Areale bleiben anfangs nah am Vorgänger, erfreuen einen später aber durch imaginative Architektur in auf Konsole selten gesehener Weitsicht, da werden gelegentliche Slowdowns und kleine Übersichtsprobleme gern in Kauf genommen. Der Speicherplatz auf der DVD ermöglicht einen ca. 30 Tunes satten Soundtrack, teils Remische von Big Beat-lastigen Tracks des Vorgängers, zum Großteil aber Highlights aus dem Archiv des Grand Royal Labels (R.I.P.), also z.B. Cibo Matto, Russel Simins, Bran Van 3000 oder Beastie Boy ADROCKs Solo-Projekt BS 2000. Steuerungstechnisch bleibt's gegenüber aktuellen Trendsporttiteln straight actionorientiert und daher simpel: Ein spektakulärer Grind auf Strommasten oder einer Achterbahn verlangt noch nicht einmal einen Knopfdruck. Jeder Level featuret neben den Hauptaufgaben meistens noch ein Wettrennen und 'nen Flaggensammel-Contest, ganz zu schweigen von diversen Multiplayer-Games. Die etwas plump auf jugendlich-hip machende deutsche Übersetzung nervt leider ein wenig, aber wer spielt diesen Smasher schon wegen der Texte.

 

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pdm/pdm-0207 - Illustration
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