16mm Filmprojektor

Produkt des Monats Juni 2002

von Julia Arikas

Rückwärts, rückwärts!
Wer erinnert sich nicht an diese Worte skandierende Sprechchöre im Biounterricht. Und dann - aaah - rückwärts fickende Fische, rückwärts laufende Ökologen, Lava saugende Vulkane. Zumindest bei den netten Lehrern. Ermöglicht hat einem diesen Einblick in die Rückwärtswelt ein kleiner tragbarer Alleskönner:

Der 16mm Filmprojektor.
Im Gegensatz zu dem in Kinos laufenden 35mm Bildformat wird der 16mm Film meist im semiprofessionellen Sektor eingesetzt. Der Grund ist die schlechtere Bildqualität der kleineren Filmbilder und deren Projektion, aber auch die daraus resultierende Länge des Filmbandes. Denn während ein 35 mm Film schon mal bis zu 4 Kilometer lang ist und in 6 Akte (also Rollen) aufgeteilt wird, braucht ein 16mm Film meist nur drei Rollen, wiegt weniger und kann besser transportiert werden.

Dazu kommt, daß das Handling der 16mm Projektoren besonders einfach ist. Die Filmrolle wird auf den vorderen Projektionsarm aufgesetzt, der Film durch den Filmkanal gezogen und in die hintere Filmrolle eingeklemmt. Linse rein, Lampe an, Schalter drehen. Los.
Nun passiert folgendes:
Die Transportrollen senken sich auf den Perforationsstreifen des Films und transportieren ihn zum Schrittschaltwerk. Dies dreht sich so, daß es in einer Sekunde 24 Filmbilder transportiert, also 24 Perforationslöcher weiterschaltet, von denen jedes einzelne genau eine 24tel Sekunde (inkl. Transportzeit) vor dem Projektionsfenster der Lampe verharrt und auf die Leinwand gestrahlt wird. Jedes Bild steht dabei ungefähr drei hundertstel Sekunden im Bildfenster, jedes muß dort in genau der gleichen Position stehen. In jeder Sekunde laufen dabei 183 mm Film durch den Projektor.

Danach geht der Film weiter zur Tonabtastung.
Während er sonst möglichst reibungslos durch den Projektor geführt wird, ist die Tonabtastung ist der einzige Bereich, wo der Film an die Transportrollen gedrückt werden muß, damit der Ton vom Lesegerät gleichmäßig abgenommen werden kann. Die Tonspuren liegen an einer Seite des Filmbandes, sind also direkt mit den Bildern gekoppelt. Weil der Ton nicht an der gleichen Stelle wie das Bild abgetastet werden kann, liegt die zugehörige Toninformation aber nicht auf dem gekoppelten Bild sondern 26 oder 28 Bilder weiter vorne.

Es gibt es zwei Tonformate: Magnetton (bekannt vom klassischen Tape), der sich aber im Filmbereich wenig durchgesetzt hat, und Lichtton. Beim Lichtton finden sich am Bildrand zwei (stereo!) wellig geschwärzte Streifen, durch die von einer Tonlampe Licht gestrahlt wird, dessen Intensität auf der anderen Seite von einer Photozelle aufgefangen und in elektrische Spannung umgesetzt wird. Nur ein 12 µm breiter Spalt der Tonspur darf gleichzeitig beleuchtet werden, damit das Signal genau genug ist: das funktioniert mit Hilfe von Linsen, die den Lichtstrahl bündeln. Die transportablen kleinen Projektoren haben interne Lautsprecher (bekannt aus den Schulvorführungen) und einen Lautsprecherausgang, es gibt aber auch große, festinstallierte Projektoren, die in manchen Kinos noch ihren Einsatz finden.

Trotzdem, der 16mm Film ist eine aussterbenden Art. In der Schule hat ihn das Video abgelöst (kein Rückwärts-Spaß mehr im Biounterricht), in den Kinos gibt es nur zu besonderen Anlässen 16mm Vorführungen und auf seiner letzten Bastion, den nichtgewerblichen Kinoclubs und Unikinos, ist die DVD auf dem Vormarsch. In Deutschland stellt nur noch eine Firma Projektoren her und selbst wenn es Projektionsgeräte gäbe, 16mm Kopien von neueren Filmen sind kaum noch zu bekommen.

 

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pdm/pdm-0206 - Illustration
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