Casio PT10

Produkt des Monats Mai 2002

von Andreas Runte

Von musikhistorisch relevantem Spielzeug und Heiermännern

Man hat sich schneller dran gewöhnt als vormals geglaubt. Die Rede ist natürlich vom schon so vertrauten Euro, den netten neuen Münzen und Scheinchen die wir mit uns rumtragen. Kaum vermißt einer die D-Mark, auch wenn sie einige politischen Kräfte immer noch zurück wollen. Ich aber vermisse eine Kleinigkeit: Den Heiermann. Nicht unbedingt den großen Silberling selbst, sondern das Wort. Heiermann war der sympathischte Kosename für ein Geldstück was mir je untergekommen war. Und er ist leider, leider für immer verschwunden. Hätte es im Februar noch diesen Begriff und die dazugehörige Zahlungseinheit gegeben, hätte ich nämlich genau für diese ein musikhistorisch relevantes Spielzeug auf dem Flohmarkt ergattert. So habe ich Zwei Euro fünfzig bezahlt, was ja irgendwie nicht das gleiche ist.

Für diese 2,50 Euro also erstand ich ein kleines Casio Keyboard, ein "Electronic Musical Instrument", wie darauf zu lesen ist. Mir war schnell klar, welch unglaubliche Entdeckung ich da gemacht hatte, der Verkäuferin eindeutig nicht. Ich glaube nicht das sie sich wirklich hätte begeistern können, für das was ich ihr vorgeschwärmt hätte. Schlimmstenfalls hätte sie noch den Preis angehoben. Also verharrte ich in stiller Freude darüber endlich eines dieser billigen klapperigen Geräte in Händen zu halten, die die musikalische Welt meiner Jugend so mitgeprägt hatte. Um den Ball mal etwas flacher zu halten und die Katze aus dem Sack zu lassen; Dieses Casio Keyboard war potentiell eines mit dem sowohl "Da,da,da ich li?eb dich nicht, du liebst mich nicht (Aha, aha, aha)" der Gruppe Trio, als auch der erste, als "digitial Dancehall" in die Geschichte eingegangene Stück "Under me sleng teng" produziert worden sein konnten.

Wie ich mittlerweile rausgefunden habe, besonders über die Seite www.synthmuseum.com, die ich hiermit empfehle, ist allerdings nicht klar welches Keyboard aus der PT oder VL Reihe es damals waren, die benutzt wurden. Genaue Auskunft können bestimmt nur die Protagonisten selbst geben, aber es ist nicht von entscheidender Bedeutung: Funktionieren tut es auch mit allen anderen der Serie. Für alle die sich jetzt auf machen ein solches Gerät auf den Flohmärkten der Welt zu ergattern (ich denke der Heiermann bleibt Referenzwert) hier eine kleine Erläuterung des Geräts und die Spielanleitung für "Da,da,da ich lieb dich nicht, du liebst mich nicht (Aha, aha, aha)"

Aufbau und Funktionen des Keyboards:

Der PT 10 ist mit vier 1,5 Volt Batterien gespeist, lässt sich aber auch über ein Netzgerät betreiben. Er hat einen Lautsprecher, leider aber keinen Ausgang. Ein Schieberegler ermöglicht den Abspielbetrieb oder die Aufnahmefunktion. Der PT 10 verfügt über ganze vier monophon zu spielende Klangbänke: Die Sounds Piano, Flute, Fantasy und Violine lassen sich auswählen. Außerdem ist der PT 10 Lautstärkeregulierbar. Über eine Demotaste kann der unentschlossene Käufer sich im Vorwege die volle Klangfülle des PT 10 anhören. Über die Funktion "Rhythm Select" lassen sich die Rhythmen: march, waltz, 4beat?, swing, rock1, rock2, bossa nova, samba, rumba und beguine ansteuern, die dann noch mit zwei Tasten frei in der Geschwindigkeit einstellbar sind. Weiterhin bietet der PT 10 die Möglichkeit bis zu 100 Töne nacheinander zu speichern und wiederzugeben, dies allerdings nur solange er nicht wieder ausgeschaltet wird.

Spielanleitung Da, da, da:

Man suche sich einen Schlageuger der bereit ist ein Stück lang nur Snare zu spielen und einen Gitarristen der bereit ist ein Stück lang nur im Refrain mitzuspielen. Danach schalte man das PT 10 ein und wähle den Rhythmus Rock1. Die vom Gerät vorgegebene Geschwindigkeit stimmt mit der von Triogespielten Liveversion überein, die Albumversion aber ist anscheinend etwas schneller, wahrscheinlich durch Veränderung der Bandgeschwindigkeit.
Nun singe man in etwas gelangweilter Stimme den Text darüber. Die ersten Zeilen des Refrains (Ich lieb dich nicht, Du liebst mich nicht) können mit einem Kehlkopfmikrofon gesungen werden, müssen aber nicht. Am Ende des Refrains spiele man auftaktig im jeweils zweiten Takt die Melodie e-f-d-c-h und fertig ist das Stück: Viel Spaß!

 

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pdm/pdm-0205 - Illustration
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