Parappa the Rapper

Produkt des Monats Februar 2001

von Markus Engel

'Kick! Punch! Block! It's all in the mind!'

Was? Eine lustige Liebeskomödie, dicke Beats, Karate-Dojos, HipHop-Festivals und Warteschlangen vor öffentlichen Toiletten, dadurch resultierende Ohrwürmer, schlaflose Nächte und ein erhebliches Maß an rhythmischer Schulung für den Spieler kombiniert in einem Spiel? Ich will mal von vorne anfangen.

Die Story: Da gibt es so einen kleinen schüchternen Hund der sich Parappa nennt, und der ist total verknallt in Sunny die kleine Sonnenblume. Alles gut soweit. Naja, eigentlich nicht, denn Parappa ist nicht der einzige, der Sunny toll findet. Da ist noch Joe Chin, im Gegensatz zu Parappa, reich, schön, stark, mutig und groß ist, eine riesige Limousine fährt und von allen Gaunern weit und breit gefürchtet wird. So toll will Parappa natürlich auch sein, und so macht er sich auf, um Sunny mächtig zu beeindrucken.

Zuerst lernt er Karate von einer Zwiebel, dann macht er seinen Führerschein bei einer Kuh, leiht sich vaters Wagen, baut einen Unfall, muß dann einem Frosch auf einem Flohmarkt beim Verkaufen helfen, um das Geld für die Reparatur von vaters Wagen zu verdienen, und so weiter und so weiter. Ach ja, Kuchenbacken lernt er auch noch und gewinnt schließlich Sunnys Herz nach einem grandiosem Auftritt bei einem HipHop-Konzert. Soviel zur Story.

Gameplay: Es gibt sechs Level die zu bestehen sind. Die Level sind im Grunde die oben beschriebenen Stationen: Führerschein bestehen, Frosch helfen, Kuchenbacken... Hat man ein Level bestanden, wird man durch einen schon so einige Minuten langen Comicfilm zur nächsten Aufgabe geführt. In den einzelnen Leveln trifft Parappa auf jeweils einen "Meister", der entweder die Rolle eines Lehrers oder eines Prüfers hat. Gelehrt bzw. geprüft wird durch einen Call-and-Response-Rap. Der Meister Rappt eine Zeile vor und Parappa (der Spieler rappt sie nach. Das ist alles.

Aber wie rappt man mit einem Joypad, das gerade mal 14 Tasten hat? Man sieht auf dem Bildschirm die beiden Protagonisten in dem jeweiligen Setting. Über ihren Köpfen ist eine Zeitleiste, die wie ein Step-Sequenzer in 16tel Schritte aufgeteilt ist. In ihr sind alle Angaben vorhanden, die der Spieler braucht: Drücke die und die Taste zu der und der Zählzeit. Jede Taste auf dem Joypad wird dabei durch ein eindeutiges Symbol in der Zeitleiste repräsentiert. Ein Symbol erscheint dann auf der Zählzeit, zu der die entsprechende Taste gedrückt werden soll. Das ist wirklich nicht so einfach, wie es sich anhört. Die Beats sind schnell, die Raps bestehen aus verwirrenden Tastenkombinationen und dies ist alles in Echtzeit zu verarbeiten und in die korrekte Motorik umzusetzen. Außerdem ist das Hintergrundbild umso verwackelter und die Musik umso weniger deutlich zu erkennen, je schlechter man rappt. Rappt man allerdings gut, dann kicken die Beats teilweise ziemlich.

Fazit: Parappa the Rapper ist eines der gelungensten Spiele, die man auf der PSX spielen kann. Gerade in Zeiten, in denen Grafik und Geschwindigkeit allzu oft die wichtigsten Faktoren für die Gestaltung von Computerspielen darstellen, kommt Parappa mit seiner naiven, 2D anmutenden 3D-Grafik äußerst erfrischend über den Bildschirm. Dazu trägt das Spielprinzip natürlich einen erheblichen Teil bei. Auch wenn es dies zwar schon vorher gegeben hat (z.B. bei Simon oder Senso) ist es hier in der Kombination mit wirklich bemerkenswerter Musik und vielen lustigen Details in der Grafik und in der Story gut aufgehoben. In Europa ist das Spiel wenig bekannt. In Japan allerdings gab es an dem Tag seiner Veröffentlichung Schulfrei. Mittlerweile gibt es einen zweiten Teil (Um Jammer Lammy), das auf dem gleichen Spielprinzip aufbaut, allerdings das Gitarrespielen als Mittelpunkt hat. Ein dritter Teil ist am entstehen.

Da sitze ich kaum an diesen Zeilen und schon ist ein Frosch in mein Ohr gesprungen, der mich mit ins bunte Sunnyland entführen möchte: "In the rain or in the snow, i got the funky flow, but now I really got to go"

 

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pdm/pdm-0102 - Illustration
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