Pong

Produkt des Monats Oktober 2000

von Timo Meisel, Christian J. Kühnel

Etwas verspätet, unser Produkt des Monats im Oktober, was der Umstellung unseres Servers auf Apache gezollt ist. Das Warten hat sich aber hoffentlich gelohnt, denn es handelt sich um - Pong!

Vermittels zweier mit den oben begutachtbaren Rädchen in der Vertikalen steuerbarer Striche (positioniert an rechter und linker Bildschirmflanke, jeder einem Spieler zugedacht) gilt es, einen Punkt an ebendiesen abprallen zu lassen. Mit anderen Worten: Tischtennis ohne Netz.

Entgegen der landläufigen Meinung war Pong nicht das erste Videospielsystem, und Atari-Gründer Nolan Bushnell ist dementsprechend nicht der Vater aller Videospiele. Bereits 1958 hatte ein Physiker Namens Willy Higinbotham vom Brookhaven National Laboratory einen Röhrenoszillographen konstruiert (Obwohl es seit 1947 Transistoren gibt! Ist das nicht grossartig!), der, wie Pong, Tennis simulierte.

Pong war auch nicht das erste digitale Spiel: Das stammte von einem gewissen Steve Russell, der als MIT-Student 1961 das erste interaktive Computerspiel für Universitäts-Mainframes, Space Wars, programmierte. Dummerweise kostete ein solcher Computer damals aber rund sieben Millionen Dollar, zuviel für Spielhallen, zu viel für den Heimanwender (räusper).

Pong war noch nicht einmal das erste Heim-Konsolenvideospiel: Ralph Baer, Angestellter eines Rüstungskonzerns, hatte bereits 1966 die Idee, eine Konsole zu konstruieren, die das Spielen am heimischen Fernseher erlauben sollte. Nach einiger Entwicklungszeit verkaufte er seine Idee 1971 an Magnavox, die das System 1972 zur Serienreife brachten. Die Odyssey war komplett analog (keine integrierten Schaltungen!), kostete 100 Dollar und hatte zwölf einprogrammierte Spiele zu bieten. Sie verkaufte im ersten Jahr beachtliche 100.000 Stück.

Warum also Pong an dieser Stelle, das erst 1973 in der Spielhallenversion, A?1975 in der Heimversion Erfolge und Beachtung verbuchen konnte?

Nun, erstens ist die Geschichte von Pong die Geschichte von Atari, die wahrscheinlich mehr zur Demokratisierung des Mediums Computer beigetragen haben als Boris Becker, NBC Giga und Robert T. Online zusammen. Die uns die ersten Musikmaschinen schenkten (ok, ok, verkauften), die immer die besseren Produkte hatten als die Konkurrenz (Commodore, genau!), die Pacman gemacht haben unddaskönntejetzlangesoweitergehen, die eben schlicht und einfach immer die Coolsten waren.

Zum Zweiten sollte man noch mal einen genaueren Blick aufs Photo werfen. Wir sehen zwei Rädchen, links einen Aus- und Anschalter, und einen Knopf zum Starten des Spiels. Benutzbarkeit auf höchstem Niveau. Pong ist erklärtes Vorbild von Steve Jobs zur Gestaltung benutzerfreundlicher Mensch-Maschine Schnittstellen. Unseres auch.

 

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pdm/pdm-0010 - Illustration
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