((audio)) - Ästhetische Strategien
Ästhetische Strategien
audio.uni-lueneburg.de


Forschungsgegenstand, Konzeption und Ziele

Der interdisziplinäre Schwerpunktbereich "((audio)) Ästhetische Strategien" ist eine eigenständig Abteilung im Institut für Kultur und Ästhetik digitaler Medien (ICAM) an der Leuphana Universität Lüneburg. ((audio)) ist in der Lehre beteiligt am Vertiefungsbereich "Musik und auditive Kultur" im Major Kulturwissenschaften des Leuphana BA, am Minor "Digitale Medien/Kulturinformatik" und am Major "Culture, Arts and Media" des Masterprogramms Arts & Science.

Untersucht werden Fragestellungen im Kontext der digitalen Medien in den Bereichen:

Im Rahmen des Projekts besteht zusätzlich zu den vorhandenen Ressourcen des Rechen- und Medienzentrums der Leuphana Universität Lüneburg ein digitales audioLab (elektronisches Studio), das sowohl für Projektzwecke im engeren Sinne wie auch von Studierenden und regionalen Initiativen genutzt werden kann. In Seminaren, Tutorien und AGs wird im Austausch mit anderen Institutionen und Personen an theoretischen wie praktischen Fragestellungen im Bereich ((audio)) in den elektronischen und digitalen Medien gearbeitet.

Ziele

Übergreifendes Ziel ist sowohl eine fortgeschrittene Beherrschung der Methoden und Verfahren im Bereich der digitalen Medienproduktion, als auch die kritische Reflexion und theoretische Durchdringung medienkulturellen Wandels. Über Seminarveranstaltungen zu diesen Themenschwerpunkten hinaus finden Arbeitsgemeinschaften (AGs) und Tutorien statt. Desweiteren werden u.a. ein- bis zweitägige Workshops unter Beteiligung auswärtiger Gastkünstler bzw. -musiker angeboten, die sich auch an externe Interessenten aus Universitäten, Kulturorganisationen und kommerzieller Musikproduktion wenden. Das audioLab als 'high-end' Produktionsstätte sowie der 'Arbeitsraum digitales Audio' des Rechenzentrums (zusammen mit dem Fach Musik) bilden die apparativen Zentren für die Lehre und Beratungsangebote. Folgende Themen werden in der Praxis behandelt:

Kommunikation und Kooperation

Ein besonderes Anliegen ist die ständige Aktualisierung von Inhalten und Methoden. Die Akquisition von Wissen und Praxiskontexten hat sich durch die zunehmende Geschwindigkeit der Innovationen in Hard- und Software, durch Prozesse der Rationalisierung und Optimierung sowie durch den ästhetischen Wandel grundlegend verändert.

Universitäre Lehre kann nicht mehr nur auf der Vermittlung eines festen Kanons von Kenntnissen aufbauen, sondern organisiert Kommunikationsprozesse vor dem Hintergrund lokaler Kompetenz und Innovationsfähigkeit.

Wesentliche Anteile der Inhalte und Methoden beruhen nach unserer Erfahrung auf Insiderkenntnissen, die nur in der 'Szene' der Fachtagungen bzw. Festivals und der Praxis (Rundfunkanstalten, Produktionsfirmen, Künstler/Musiker aus dem 'populären' und 'ernsten' Bereich) zu erwerben und von dort in Forschung und Lehre zu überführen sind. Die regionale Integration wird durch die Öffnung der audioLab für Interessengruppen aus der Region getragen. Mit der Beteiligung von Musikern (z.B. der regionalen Techno- und House-Szene), Künstlern und Multimedia-Produzenten etc. soll ein Kommunikationsbereich für die Nutzung digitaler Audio- und AV-Medien entstehen. Geräte der audioLab werden daneben intern für live-Performances und Workshops der im Rahmen der Kooperationen eingeladenen Musiker und Künstler genutzt. Hierfür sind zusätzliche mobile Komponenten vorhanden.

Technikkultur: Werkzeug vs. Medium

Die Vermittlung künstlerischer Intention in Prozesse der Hard- und Softwareentwicklung erweist sich als ebenso problematisch wie die Vermittlung des technischen Potentials an die künstlerische Imagination. Im Werkzeug als künstlerischem Medium ist das potentielle Produkt bereits mitzudenken, eine Erkenntnis, die traditionell arbeitenden Künstlern seit einigen Jahrhunderten als selbstverständlich vertraut ist, in der aktuellen technikorientierten Umbruchphase mit ihrer weit auseinanderklaffenden Schere von künstlerischer und technischer Kompetenz jedoch leicht in Vergessenheit gerät. Gerade die Modellierbarkeit der 'digitalen Werkzeuge' fordert eine Besinnung auf die Relation von Instrument, Komposition und Werk. Ein zentrales Ziel des Projekts ist es, Perspektiven der Technikkultur im konkreten Feld der Anwendungs-entwicklung zu vermitteln und zu reflektieren. Elemente dieses Schwerpunkts sind:

Medienintegration, Oberflächen, Interfaces

Multimedia, digitale Medienintegration und das 'Prinzip Oberfläche' der symbolverarbeitenden Maschinen haben die Strategien medialen Gestaltens und Erlebens verändert. Gegenstand ist die dreifache Relation des technischen Aspekts der Integration und des Interface, des gestalterischen Aspekts der Oberfläche und des kulturellen Aspekts des ästhetischen Prozesses. Dabei soll den in der Diskussion um die visuellen Leitmedien oft vernachlässigten auditiven und taktilen Oberflächen eine besondere Aufmerksamkeit zukommen. Hörraum und Körperwissen verdeutlichen gerade in der Lehre, daß mit Multimedia ein komplexes Zusammenspiel menschlicher Wahrnehmung und Sinnkonstruktion in einem multisensorischen und multisemantischen Erlebnisraum verbunden ist. Sowohl bereits etablierte Oberflächen (etwa der Tonbandmetapher) für HD-Recording, Sequenzing, Audioschnitt als auch die Auseinandersetzung mit experimentellen Oberflächen des Music-Painting oder interaktiver Installationen sind Gegenstände dieses Themenbereichs sein. Vorgesehen sind:

Sampling, Programmsteuerung

Multimedia-Standards erlauben weit mehr als die ansprechende Einbindung von Daten bzw. 'Dokumenten' in vorstrukturierte Programmumgebungen. Qualitative Innovationen im Bereich ästhetischer Anwendungen werden durch standardisierte Betriebssystem-Schnittstellen (z.B. Multimedia-APIs) wie durch flexible objektorientierte Komponentensysteme (z. B. MAX, PD) möglich, wenn 'hinter' die glitzernden Fassaden der Multimedia-Oberflächen zurückgegangen wird. Das Projektziel kreatives Multimedia-Programmieren umfaßt über die reine Anwendungsprogrammierung mit vorgeformten MM-Tools (Macromedia Director) hinaus auch die Entwicklung von eigenen, auf ästhetische Konzepte hin erarbeitete Programmkomponenten in einem Team von Künstlern (Musikern), Technikern und Informatikern. Dies betrifft auch den Umgang mit Datenressourcen in ästhetischen Collage- und Montagetechniken. Sampling steht hier für einen spezifischen Bereich des programmgesteuerten Zugriffs auf digitalisiertes Medienmaterial, das einerseits in eigenen Programmumgebungen erprobt und andererseits ästhetisch reflektiert werden soll. Die musikalische Tradition des Sampling, die aktuelle Praxis (etwa des Hip Hop und Techno) wie auch die Diskussion über Samplingprinzipien in der zeitgenössischen Kunst und Literatur sind Bestandteil dieser Diskussion. Einzelthemen sind:

Datennetze als kulturelle Räume

Der Raumbegriff des "Gibsonian Cyberspace" (wie Michael Benedikt die definitorische Vision des Cyberspace bei William Gibson bezeichnet) versteht die Welt der digitalen Netze als virtuellen Arbeitsraum der Zukunft. Neben dem Cyberspace als Aktionsraum bildet die Vision des vernetzten Weltwissens, des Docuverse (Bush/Nelson) als globale universelle Ressource des Zugriffs auf mediale Artefakte aller Zeiten und Räume ein zweites metaphorisches Modell für das Potential der Datennetze. Daß solche literarisch fiktionalen Visionen durchaus Teil konkreter technischer Konzepte werden, zeigt etwa die Adressenkonvention des World Wide Web (URL=Uniform Resource Locator). Ob und wie eine kulturelle Aneignung dieser "Turinggalaxis" (Wolfgang Coy) stattfindet, hängt von technischen, ökonomischen und kulturellen Bedingungen, aber auch von der Partizipation verschiedener gesellschaftlicher Handlungssysteme ab. Künstlerische Nutzungsformen sind sowohl als Indikatoren wie als Erprobungsfelder verändeter Kommunikations- und Wahrnehmungsstrukturen zu verstehen. Der Bereich "Ästhetische Strategien" geht hier Fragen der ästhetischen Produktion und Distribution nach. Im Sinne einer Erweiterung des Textbegriffs ('ästhetische Texte') werden Bildende Kunst und Musik im tele- und mediamatischen Umfeld als spezifische Textsorten angesehen, die als Daten codiert, übertragen und transformiert werden. Für den musikalischen Bereich ergeben sich hier die folgenden Fragestellungen:

Förderphase des Projekts

In der Aufbauphase (1.10.1997-31.12.2000) wurde das Projekt durch das Ministerium für Wissenschaft und Kultur des Landes Niedersachsen im Rahmen des HSP III gefördert. Zum 15.06.2001 wurde ein Abschlußbericht über die Förderphase des Projekts "Ästhetische Strategien in Multimedia und digitalen Netzen (Schwerpunkt Audio)" erstellt.

engl.Tätigkeitsbericht

Activity Report (english, PDF, 400 KB)

 

Quelle: http://audio.uni-lueneburg.de/forschung.php, 22.10.2017