Ästhetische Strategien - ((audio))

Klangstärkefestival in Hildesheim (22. - 24.11.2018)

Feed #17 // 2018

von Jonas Kellermeyer

Kunst hat das Potenzial, der Wahrnehmung der Realität neue Qualitäten hinzuzufügen. Dieser Grundsatz gilt nicht nur für die bildnerische Dimension des als “Kunst” bezeichneten Zusammenhangs, sondern kann auch — und gerade — Geltung für die auditive Seite der Welt beanspruchen. Im Rahmen der diesjährigen Klangstärke 18 in Hildesheim soll sich der bisweilen marginalisierten Form der auditiven Kunst von verschiedenen Seiten genähert werden: experimentelle Installationen stehen gleichberechtigt neben partizipativen Performances, die sich ihrerseits wiederum neben orchestrierte Aufführungen gesellen.
Unter dem Motto “Unsettling Setups” sollen in diesem Jahr vor allem die (Rahmen-) Bedingungen für musikalische Produktion im Speziellen und für auditive Ereignisse generell in den Vordergrund treten. Die Nutzung des öffentlichen Raums sowie eine solche von Räumlichkeiten verschiedener innerstädtischer Akteure in und um Hildesheim für die Durch- und Aufführung der mannigfaltigen Programmpunkte des Festivals regt zum regen Diskurs rund um die umweltliche Komponente der Klangkunst, sprich: das Ambiente, an.
Die (Um-) Deutungshoheit liegt hier stets beim Publikum, weshalb sich ein Besuch in Hildesheim diesen Herbst als besonders interessant und bereichernd herausstellen könnte.
Der explizite, thematische Fokus auf der Ebene des manifesten Aufbaus verspricht einen interessanten Kontrapunkt zu sonst eher programmfixierten Festivals dieser Art zu setzen.
Von den ausgestellten Installationen und Performances wurden einige an den verschiedensten universitären Standpunkten in ganz Deutschland entwickelt. Von der Leuphana Universität Lüneburg werden sieben Projekte an den Start gehen, die jeweils einen anderen spannenden Zugang zum Thema Klanglichkeit in „Unsettling Setups“ anzubieten haben: Ob nun über eine paradoxe Bewegung der Nicht-Bewegung, wie es die Interaktive Installation Buddha Machine 4.0 vornimmt, ob über den Weg der nicht minder interaktiven Performance Coming Closer, die als (klangbasierte) Hommage an die Performance “Aktionshose: Genitalpanik” (1968) der Künstlerin Valie Export konzipiert wurde, oder über das spielerische Ausprobieren neuer selbstgebauter Instrumente, wie z.B. der Tonangel: die Zugänge sind so vielfältig, wie die Setups das Potenzial besitzen, sich als “unsettling” zu gerieren.

 

Die Tonangel von Frieder Behrens:

 


 

 

 

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